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Lena Urbaniak schindet sich für neues Ziel

Kugelstoßerin Lena Urbaniak von der LG Filstal zieht eine positive Bilanz der Hallensaison. Die Deutsche Meisterin aus Böhmenkirch beendete sie mit Platz sechs beim Winterwurf-Europacup in Leiria. Lena Urbaniak hat den EM-Schock von Prag verdaut und steigt bald ins Training für die Freiluft-Saison ein.

Das Ende hätte schöner sein können. Lena Urbaniak hatte sich für beide internationalen Höhepunkte qualifiziert, blieb aber gerade da unter ihren Möglichkeiten. Wenige Tage nach ihrem Scheitern in der Qualifikation bei der Hallen-Europameisterschaft in Prag belegte die Böhmenkircherin beim Winterwurf-Europacup im portugiesischen Leiria mit mäßigen 16,69 Metern Rang sechs.

"Prag steckte noch in den Knochen", erklärt die 22-Jährige ihr Abschneiden. In den Knochen, aber nicht mehr im Kopf. Nach einem ausgiebigem Gespräch mit ihrer Sportpsychologin hat sie das Scheitern in der EM-Quali verarbeitet. So blieb in Leiria nur noch etwas Müdigkeit wegen vieler Kilometer in Auto und Flugzeug.

Der Wettkampf startete zudem einen Tag zu früh. Am Sonntag wurden 20 Grad gemes- sen, die Kugelstoßerinnen mussten am Samstag bei nur acht Grad ran. Bis auf Siegerin Yulia Leantsiuk aus Weißrussland (18,56 m) blieben alle Athletinnen unter ihrem Niveau. Zu der Kälte gesellte sich bei Urbaniak auch noch ein Missgeschick. Im vierten Versuch rutschte ihr die Kugel "ziemlich stark aus der Hand", in den beiden folgenden ging nichts mehr und anschließend musste sich der Physiotherapeut um Lenas Hand kümmern.

Die Böhmenkircherin zieht dennoch ein "sehr positives" Fazit der Wintersaison. Sie wurde Deutsche Hallen-Meisterin und war bei beiden internationalen Höhepunkten dabei. Dort hat sie nicht das erreicht, was sie sich vorgestellt hat, lässt sich davon aber nicht beein- drucken. Es waren "sicher nicht die letzten Chancen" für Urbaniak, sich auf internationaler Bühne zu beweisen. Anfang Juli wartet die Universiade in Gwangju in Südkorea.

Der absolute Höhepunkt neben den Deutschen Meisterschaften Ende Juli in Nürnberg ist aber die Weltmeisterschaft im August in Peking. Im Vorjahr hatte sich Lena Urbaniak für die EM qualifiziert und im Züricher Letzigrund überraschend Rang acht belegt. Die Mess- latte für Peking liegt wesentlich höher. Die Norm ist auf 18,50 Meter festgesetzt, bislang hat die 22-Jährige eine Bestleistung von 17,84 Metern stehen.

Selbst wenn die WM-Norm noch eine zu hohe Hürde darstellen sollte, ihren "ersten Achtzehner" will Urbaniak im Sommer "auf alle Fälle" stoßen. "Viel fehlt ja nicht mehr", verweist sie auf ihre Bestweite. Dafür arbeitet sie hart. Schon kommende Woche beginnt das Freiluft-Training, am 28. April wartet ein zweiwöchiges Trainingslager im Bundesleistungszentrum in Kienbaum bei Berlin.

Die verbleibenden Tage vor dem Trainingsstart will Lena Urbaniak noch genießen. Diese Woche steht all das auf dem Programm, was ansonsten zu kurz kommt. In erster Linie "ausschlafen und Freunde treffen", sagt die 22-Jährige. Mit den Annehmlichkeiten des Lebens ist's ab kommender Woche schon wieder vorbei.

Bericht von THOMAS FRIEDRICH  |  18. März 2015 aus der Geislinger Zeitung