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Lena Urbaniak: "Vorfreude größer als Angst"

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Vor zwei Wochen holte sich Kugelstoßerin Lena Urbaniak (LG Filstal) Gold bei der Universiade in Südkorea, am Samstag wurde sie deutsche Vizemeisterin. Die 22-Jährige aus Böhmenkirch liefert eine tolle Saison.

Deutsche Hallenmeisterin, Universiade-Gold, DM-Silber und erstmals 18 Meter - absolvieren Sie gerade eine perfekte Saison?

LENA URBANIAK: Kann man so sagen. Es ist bislang alles so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Besser hätte es nicht sein können, die 18 Meter kommen noch als Sahnehäubchen obendrauf.

Was stufen Sie höher ein, den Sieg bei der Universiade oder die deutsche Vize-Meisterschaft hinter der unangreifbaren Christina Schwanitz?

URBANIAK: Die Universiade in Gwangju ist für mich emotional wichtiger gewesen. Es war ein totales Großereignis mit 11 000 Athleten aus allen Sportarten. Das ist schon ein ganz anderes Erlebnis als eine deutsche Meisterschaft in Nürnberg.

Was machte den Reiz dieser Studenten-Wettkämpfe im fernen Südkorea aus?

URBANIAK: Das Feeling im Universiade-Dorf ist ganz sicher vergleichbar mit dem in einem Olympischen Dorf. Ich wohnte in einer WG mit sechs Leichtathletinnen, da wurde ständig nach einem Wettkampf gefeiert. Bei einer Universiade hat man ganz andere Leute um sich als sonst in einem Wettkampf.

Sie wollten sich dort auch andere Sportarten ansehen.

URBANIAK: Das habe ich auch. Ich war beim Turmspringen, beim Basketball und ich habe Fabian Hambüchens Goldkür am Reck ebenfalls live miterlebt. Zudem sah ich viele andere Sportarten im Livestream, wenn auch nicht im Stadion.

Bei der DM in Nürnberg haben Sie das bestmögliche Ergebnis herausgeholt, eine Schwanitz ist wohl nicht zu schlagen, oder?

URBANIAK: Stimmt. Wenn Christina startet, geht's nur um Platz zwei. Sie ist so stark drauf, dass nicht einmal bei einem Ausrutscher von ihr etwas möglich wäre.

Lange sah es in Nürnberg nicht nach einer Medaille aus. Vor dem letzten Durchgang waren Sie nur Vierte. Kam Ihre Nervenstärke wieder zum Tragen?

URBANIAK: Nervenstärke habe ich mal wieder bewiesen, ja. Insgesamt hatte ich mir den Wettkampf aber anders vorgestellt. Bis zum fünften Durchgang war ich total unzufrieden, dann kamen immerhin 17,03 Meter und im letzten noch 17,28 Meter. Letztlich bin ich dafür belohnt worden, dass ich den Kopf nicht in den Sand gesteckt und stattdessen bis zum Schluss gekämpft habe, obwohl lange überhaupt nichts geklappt hat.

Am Mittwoch starten Sie in der Diamond League in Stockholm. Wurden Sie überrascht von der Einladung ins Feld der acht Auserwählten?

URBANIAK: Allerdings. Meine Managerin hatte mich nur gefragt, ob ich Lust hätte, in Stockholm zu stoßen. Ich dachte, es wäre ein Vorkampf am Tag davor.

Wie haben Sie erfahren, dass Sie im Feld der Besten gegen Christina Schwanitz und Weltmeisterin Valerie Adams aus Neuseeland antreten?

URBANIAK: Durch meinen Trainer. Der fragte mich, ob ich wüsste, wer da mitmacht. Als ich verneinte, nannte er mir die Namen und sagte, dass es die Diamond League ist.

Da mussten Sie erst mal schlucken?

URBANIAK: Nein. Bei so einem Wettkampf ist die Vorfreude viel größer als der Respekt oder gar Angst.

Mit welchen Zielen starten Sie morgen in Stockholm?

URBANIAK: Ich will zeigen, dass ich bei den Großen mitstoßen kann und mich in einem Bereich von 17,70 bis 18 Metern stabilisieren.

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft im August in Peking bleibt wohl ein Traum. An der Norm von 18,40 Metern im Kugelstoßen der Frauen hat sich nichts geändert.

URBANIAK: Am Mittwoch werden die WM-Teilnehmer veröffentlicht. Meines Wissens nach gibt es keine Ausnahmen, daher wird's wohl nichts mit Peking. Ich habe aber eine super Saison gemacht und freue mich dann eben auf die Militär-WM im Oktober in Korea.

Hat die Vorfreude auf das Meeting am 7. August in Ihrer Heimat Böhmenkirch Sie schon gepackt?

URBANIAK: Klar. Das wird bestimmt ein supertoller Wettkampf. In Böhmenkirch geht's darum, die Leute zu begeistern. Das Orga-Team um meine Mama hat viel Herzblut investiert, wir alle wollen den Leuten was zurückgeben. Ich freue mich wahnsinnig drauf, mal vor heimischem Publikum zu starten. Die meisten kennen mich doch nur aus der Zeitung.

Interview von THOMAS FRIEDRICH   |  28. Juli 2015
aus der Geislinger Zeitung