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Lena Urbaniak: "Kein Grund zur Panik"

Interview von THOMAS FRIEDRICH

Kugelstoßerin Lena Urbaniak (LG Filstal) hinkte bei ihren Freiluft-Auftritten den Erwartungen hinterher. Sie sorgt sich dennoch nicht um Olympia.

16,91 Meter vorige Woche in Peking, am vergangenen Wochenende 17,20 Meter in Halle. Die Norm für die Olympischen Spiele in Rio liegt bei 17,75 Meter. Trotz ihres mäßigen Saisonstarts macht sich die 23-jährige Böhmenkircherin keine Sorgen, nicht rechtzeitig in Form zu kommen.

Ihre ersten Ergebnisse geben dem unbedarften Beobachter Anlass zu Sorge. Ihnen auch?

LENA URBANIAK: In keiner Weise. Natürlich waren die Weiten nicht das, was ich mir selbst erwartet habe. Aber im Vorjahr brauchte ich auch einige Wettkämpfe, um so richtig in die Saison reinzukommen. Es waren in Peking wie in Halle einige gute Versuche dabei, die leider ungültig waren. Daher gibt es überhaupt keinen Grund, in Panik zu geraten.

Es ist immer wieder mal von Problemen mit dem Fuß zu hören, wie sehr beeinträchtigen die Sie?

URBANIAK: Kaum. Es ist zwar nicht alles in Ordnung, aber es sind keine orthopädischen Probleme. Sie schränken mich im Wettkampf nicht wirklich ein.

Immerhin sind Sie nicht die einzige, die der Olympia-Norm hinterherhechelt. Bislang hat die noch keine deutsche Kugelstoßerin übertoffen.

URBANIAK: Stimmt. Nicht mal Christina Schwanitz, die hat derzeit auch Probleme. Das hat aber überhaupt nichts zu bedeuten. Vergangenes Jahr zu dieser Zeit hatte auch noch niemand die WM-Norm. Bis zu den Deutschen Meisterschaften Ende Juni gibt's ja noch einige Möglichkeiten.

Liegt das vielleicht auch an Saisonplanung, weil ja alle Athleten erst zu den großen Wettkämpfen in Topform sein wollen?

URBANIAK: Natürlich, wir alle wollen in erster Linie bei den Höhepunkten topfit sein. Der erste ist für mich die Deutsche Meisterschaft in Kassel.

Die Ergebnisse der Konkurrenz beruhigen ja auch irgendwie, oder?

URBANIAK: Ja, solange die anderen keine große Weiten vorlegen, ist alles in Ordnung. In den vier Wochen bis zu den Deutschen kann man noch einiges bewegen.

Wieviele Wettkämpfe bestreiten Sie noch vor der DM?

URBANIAK: Am kommenden Sonntag starte ich beim Meeting in Rechberghausen, am Freitag darauf irgendwo in Spanien, der Ortsname fällt mir gerade nicht ein. Am 11. Juni steht dann noch ein Wettkampf in Schapbach im Schwarzwald an.

Wie wichtig wäre es für die Psyche, die Norm möglichst früh zu schaffen?

URBANIAK: Überhaupt nicht, das ist völlig egal. Es zählt letztlich allein die Deutsche Meisterschaft. Alles, was bis dahin passiert, spielt keine große Rolle. Daher mache ich mir jetzt auch keinen Stress.

Es bringt auch wenig, jetzt bei einem Dorfmeeting 18 Meter zu stoßen und dann bei der DM nur Fünfte zu werden.

URBANIAK: Genau. Wenn man in Kassel die Norm stößt und dabei unter die ersten Drei kommt, ist alles gut.

Und wenn nicht, war alles für die Katz?

URBANIAK: So ungefähr. Aber ich bin überzeugt davon, bis zu den Deutschen in richtig guter Form zu sein und mir dort das Ticket für Rio zu holen.

25. Mai 2016 aus der Geislinger Zeitung