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Lena Urbaniak scheitert in der Qualifikation

Kugelstoßen in Rio

Der Traum vom olympischen Finale ist geplatzt: Kugelstoßerin Lena Urbaniak schied nach schwacher Leistung in der Qualifikation aus.

Mit für sie indiskutablen 16,32 Metern, gestoßen im zweiten Versuch, schied Lena Urbaniak aus Böhmenkirch sang- und klanglos in der Qualifikation der Kugelstoßerinnen am gestrigen Freitag aus. Mit der mäßigen Weite belegte sie im Olympiastadion von Rio de Janeiro am Ende unter 36 Starterinnen nur den 30. Platz. Von den besten Zwölf, die das Finale erreichten, trennten sie Welten, ebenso von der erhofften neuen Bestleistung. Die alte bleibt bei 18,02 Metern stehen.

Am ungewohnt frühen Aufstehen, um 5.30 Uhr klingelte der Wecker, lag es nicht. Urbaniak verzichtet auf eine billige Ausrede, charakterisiert stattdessen ihren gesamten Wettkampf als „von vorne bis hinten einfach Murks“. Sie tat sich schon beim Einstoßen schwer, der danach einsetzende Regen verunsicherte sie zusätzlich. 16,32 Meter im ersten Versuch deuteten schon ihre Probleme an, den 16,62 im zweiten folgte ein noch schwächerer dritter, den die 23-Jährige ungültig machte.

Als einzige Deutsche kam Welt- und Europameisterin Christina Schwanitz weiter, die die geforderten 18,40 Meter gleich im ersten Versuch (19,18) locker übertraf. Weiter stieß nur die London-Olympiasiegerin Valerie Adams aus Neuseeland, die mit 19,74 Metern gestern den stärksten Stoß zeigte. Die Leipzigerin Sara Gambetta scheiterte mit 17,24 Metern als Zwanzigste ebenfalls in der Qualifikation.

Urbaniak ist von ihrer Vorstellung maßlos enttäuscht. Sie fand nie in den Wettkampf, weil ihr „Oberkörper viel zu schnell und die Beine viel zu langsam“ waren. Als Quintessenz dieser Miss-Balance „trifft man eben keine Kugel“, erklärt sie.

Drei Stunden nach der missglückten Qualifikation hielt die Enttäuschung noch an, ab Samstag will sich Urbaniak die anderen Wettkämpfe ansehen und „mit den Teamkollegen mitfiebern“. Immerhin kann sie von sich sagen, bei Olympia dabei gewesen zu sein: „Viele andere Sportler schaffen das nicht“.

Der Auftritt in Rio war ein Sinnbild für eine reichlich verpatzte Freiluftsaison. Auch bei der Europameisterschaft im Juli in Amsterdam verabschiedete sich Lena Urbaniak bereits nach der Qualifikation. Sie will die schwache Saison schnell abhaken. Sie taumelte „von einer Verletzung und Krankheit in die nächste“ und fand nur einmal zu ihrer Form. Bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel stieß sie mit 18,02 Metern Bestleistung und qualifizierte sich damit für Rio. Kassel „war das absolute Highlight“, sagt Urbaniak. Ansonsten ging nicht viel, jetzt geht der Blick in die Zukunft.

Mit 23 Jahren war die Böhmenkircherin gestern eine der jüngsten Athletinnen im Feld. „Da besteht die Hoffnung, noch einmal Olympische Spiele zu erleben und es dann besser zu machen“, sagt die Athletin von der LG Filstal. 2020 in Tokio gibt’s das nächste Mal Olympia. Mit 27 Jahren wäre sie dann im besten Wettkampf-Alter.

Bericht von THOMAS FRIEDRICH   |  12. August 2016 aus der Geislinger Zeitung