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Platzrekord trotz Dauerregens

Werfertag Bad Boll

Alles andere als ideale Bedingungen fanden die Teilnehmer am sechsten Bad Boller Werfertag vor, eine Temperatur von acht Grad und Dauerregen, der sich während des Wettkampfes noch verstärkte. Doch die Kugelstoßer um Landestrainer Peter Salzer zeigten sich als hart im Nehmen und zogen den Wettbewerb durch. Der Trainer selbst erwies sich als besonders wetterfest, er saß während des gesamten Wettkampfes neben dem Ring und beobachtete alle seine Schützlinge – auch diejenigen, die nicht bei ihm trainieren – aus der Nähe.

Besondere Aufmerksamkeit des Publikums wurde Niko Kappel zuteil. Der kleinwüchsige Welzheimer war zwar schon öfter in Bad Boll am Start, doch erstmals kam er als Paralympics-Sieger und zog so manchen der rund hundert Zuschauer an. Er war als Erster beim Aufwärmen auf dem Platz und bekam auch während des Wettkampfes am meisten Beifall. Den verdiente er sich durch sehr gute Stöße in die Nähe seiner persönlichen Bestleistung von 13,57 Meter. Sein bester Versuch landete bei 13,45 Meter. Das wollte bei diesem Wetter etwas heißen, zumal es, wie bei den meisten Teilnehmern, sein erster Saisonstart war.

Auch für Lena Urbaniak (LG Filstal) begann nicht nur die Freiluftsaison am 1. Mai in Bad Boll, es war auch ihr erster Wettkampf des Jahres, nachdem sie diesmal die Hallensaison ausgelassen hatte. Man erinnert sich, 2015 und 2016 war sie Deutsche Hallenmeisterin. Gestern war jedoch nicht Lena Urbaniaks Tag. Als Drehstoßtechnikerin tat sie sich im nassen Kugelstoßring besonders schwer und konnte mehrmals ihre Drehung nicht innerhalb des Ringes beenden, mit einem Versuch war sie nicht zufrieden und machte ihn ungültig. Nach dem vierten Versuch brach Lena Urbaniak den Wettkampf ab. Sie fühlte sich bei der niedrigen Temperatur nicht wohl. „Ich habe dieses Jahr noch viel vor und wollte nichts riskieren“, sagte die 24-Jährige, deren zentrales Ziel die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im August in London ist.

Gleich im ersten Versuch stieß Alina Kenzel (VfL Waiblingen) die vier Kilogramm schwere Frauen-Kugel 17,12 Meter weit und verbesserte damit den Platzrekord von 16,99 Meter, den Lena Urbaniak seit dem Meeting 2013 hielt. Steigern konnte sich die U 20-Weltmeisterin nicht mehr, aber ihre Kugel landete mehrmals bei der 17-Meter-Linie.

Bayer stößt am weitesten
Der weiteste Stoß des Tages gelang Simon Bayer, der die Siegesweite von 17,33 Meter gleich zum Auftakt erzielte. Später war ihm anzumerken, dass ihn das Wetter nervte, eine Steigerung gelang ihm nicht mehr. Bayer startet für den VfL Sindelfingen, wie auch Vorjahressieger Tobias Dahm, der wegen einer Knieverletzung noch pausieren muss, aber als Zuschauer dabei war. Den zweitbesten Stoß schaffte Silas Ristl (SSV Ulm 1846/16,95 Meter), der sich angesichts seines Gewichts mit dem Drehstoß besonders schwer tat. Da hatten es die Leichtgewichte wie Kappel oder das Talent Sophie Stumpf (LG Hohenlohe/14,29 m) leichter.

Sachkundig führte wieder Harald Ruff von der Leichtathletik­abteilung des TSV Bad Boll durch den Wettkampf. Bürgermeister Hans-Rudi Bührle, im doppelten Sinn Schirmherr der Veranstaltung, sagte, der Werfertag sei zu einer festen Institution im Terminkalender der Gemeinde geworden und sprach ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren Dank aus.  

KARL-HEINZ PREUSKER | 02.05.2017