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Lena Urbaniak für Universiade in Taipeh nominiert

Leichtathletik - Info

Eigentlich hatte Kugelstoßerin Lena Urbaniak gedacht, die Saison sei Ende Juli beendet. Doch weit gefehlt: Nun geht es zur Universiade nach Taiwan.

Manchmal nimmt das Leben verschlungene Wege. Da hatte Lena Urbaniak, Kugelstoßerin der LG Filstal, nach der verpassten WM-Qualifikation gedacht, dass ihre Saison bei den zwei anstehenden Meetings an diesem Wochenende in Gotha und am 28. Juli in ihrem Heimatort Böhmenkirch eher gemächlich ausklingt.

Doch denkste: Nun muss sie im Hochsommer nochmal ran – bei der Universiade in Taipeh, den Weltspielen der Studenten (19. bis 30. August). Der Allgemeine Deutsche Hochschulverband (ADH) hat sie nominiert. Damit vertritt die Management-Studentin der Hochschule Ansbach – zusammen mit der WM-Fahrerin und frisch gekürten nationalen Meisterin Sara Gambetta (Leipzig) – die deutschen Farben in ihrer Disziplin.

Für Urbaniak kam die Nominierung im wahrsten Wortsinne aus heiterem Himmel. Da hatte nicht der Postbote ein offizielles Schreiben des ADH unter der Türe durchgeschoben, „Sehr geehrte Frau Urbaniak, Sie fliegen nach Taipeh, stechen’se rein“. Vielmehr klingelte mal zwischendurch, während des Trainings, ganz unverhofft das Telefon, am anderen Ende der Leitung ihr Freund. „Der hat mich gefragt, ob ich gerade sitze. Und wenn nicht, dass ich es besser tun sollte, damit es mich jetzt nicht umhaut“, berichtet die 24-Jährige, „da hat er dann zu mir gesagt: Du darfst noch einmal einen Wettkampf machen“. Die Unversiade in Taipeh. Punktlandung.

Wie aber hatte ihr Freund vor ihr von der Nominierung erfahren? „Der war neugierig, wollte wissen, was Sache ist, hat sich im Internet umgeschaut“, erzählt Urbaniak. Was nicht verwundert, schließlich hatte die Kugelstoßerin die Unversiade zusammen mit der WM zu einem ihrer großen Saisonziele erkoren. Auf der Homepage des Hochschulverbands stieß ihr Freund dann auf die Nominierungsliste, „die war dort schon vorab veröffentlicht“.

Sie selbst, verrät Urbaniak, hatte schon gar nicht mehr an die Reise nach Taiwan geglaubt – obwohl sie die Qualifikationsnorm von 17,10 Meter schon längst erfüllt hatte. „An sich ist die Weite ja nicht das Problem“, erzählt die Böhmenkircherin, die schon 2015 bei der Unversiade in Gwangju/Südkorea dabei war, ein Jahr vor ihrem Auftritt bei Olympia in Rio: „Aber nach meiner durchwachsenen Saison und der verpassten Weltmeisterschaft hatte ich nicht mehr gedacht, dass ich noch nominiert werde.“

Da hatte Urbaniak allein Kontrahentin Gambetta auf dem Zettel, Psychologiestudentin der Uni Halle-Wittenberg, „eben weil sie zur WM nach London fährt und in diesem Jahr schon 18,14 Meter gestoßen hat“. Urbaniaks Bestmarke liegt heuer bei 17,61 Meter. Zwar seien in jeder Disziplin zwei Meldungen möglich, „aber das ist eine Geldfrage. Der Hochschulverband schaut erstmal, dass bei den Leichtathleten jede Disziplin mit erfüllter Norm besetzt ist“. Lasse es die finanzielle Lage zu, werde geschaut, wer wo als weiterer Starter infrage kommt.

„In Taipeh ist nur der Diskuswurf der Männer und das Kugelstoßen der Frauen doppelt besetzt“, erklärt Urbaniak, „darum ist die Nominierung ein große Ehre für mich, ich freue mich über das Vertrauen, das man mir entgegenbringt.“ Weshalb sie die Universiade auch nicht als Trostpflaster betrachtet, sondern als Zuckerle, besser: Zuckerstange, die ihr die genannte „durchwachsene Saison“ doch noch versüßt.

Nun ist die Vorfreude auf das Großereignis gleich doppelt. Zum einen natürlich wegen der sportlichen Herausforderung („man darf mit einem sehr hochwertigen Wettbewerb rechnen. Bei den Leichtathleten werden in Taipeh viele WM-Teilnehmer und damit Spitzenathleten am Start sein“). Zum anderen aber wegen der einzigartigen Atmosphäre. „Das ist schon so ein bisschen wie Olympia im Kleinen“, erzählt Urbaniak, „aber es fehlt der große Medienrummel drumherum, die Stimmung ist viel gelöster, der Sport steht viel stärker im Mittelpunkt“. Und so ganz nebenbei kann Urbaniak Taipeh in ihre Liste der Reiseziele einfügen, „da war ich noch nie und bin jetzt richtig gespannt drauf“.

Bericht von JOCHEN WEISS  |  14. Juli 2017
aus der Geislinger Zeitung   SÜDWEST AKTIV