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Teilzeit-Speerwerfer aus Altenstadt räumt so richtig ab

Kai Schäffner kommt mit einem Zwiespalt klar, weil der für ihn keiner ist. Als Leichtathlet medaillenbehangen, als Handballer glücklich. Der 15-Jährige sieht sich nur als Teilzeit-Speerwerfer, viel lieber schleudert er den Handball mit voller Wucht.

Bei der deutschen Jugendmeisterschaft in Bremen gewann der Altenstädter mit 47,42 Metern Bronze im Speerwurf, eine Woche später holte er bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaft in Bernhausen an der Seite der Neudeck-Zwillinge mit der LG Filstal Teamgold. Zukunft hat Leichtathletik für ihn dennoch nicht. Irgendwann wird er sich für eine Sportart entscheiden müssen, und die wird dann „ganz klar Handball sein“, stellt er klar.

Den Fokus hat Schäffner jetzt schon gelegt. Handball trainiert er drei Mal wöchentlich, Leichtathletik ein Mal – „wenn’s hoch kommt“. Nach einem stressigen Wochenende tendiert der 15-Jährige schon mal dazu, das Leichtathletik-Training montags ausfallen zu lassen. Das käme ihm mit den Handball-Übungsabenden sicher nicht in den Sinn. Da hat er sein Karriere-Ziel vor Augen: Mindestens Dritte Liga will er mal spielen, sein „Traumziel ist die Bundesliga“, sagt er.

Der Weg dahin ist weit, Schäffner hat aber schon einige Meter zurückgelegt. Er gehört zum festen Bestandteil der HVW-Auswahl und damit zu den 14 besten Handballern seines Jahrgangs in Baden-Württemberg. Im Speerwurf ist er Dritter in Deutschland, das ficht ihn nicht an. Handball ist wichtiger, im Frühjahr darf er altersmäßig erstmals zur Sichtung des Deutschen Handballbunds. „Mal sehen, ob ich danach zum zweiten Lehrgang eingeladen werde“, spekuliert der 15-Jährige auf weitere Berufungen auf dem Weg zur Bundesliga-Karriere. Der Rechtshänder spielt beim TV Altenstadt Rückraummitte oder Linksaußen, seine Qualitäten sind auch Frisch Auf Göppingen nicht verborgen geblieben. Anfragen des Bundesligisten, für den auch die Neudeck-Zwillinge spielen, hat Kai Schäffner bislang noch abgewehrt.

Das liegt nicht nur an der emotionalen Bindung der Familie an den TVA. Vater Frank ist stellvertretender Vorsitzender und sieht derzeit noch keinen Anlass für einen Vereinswechsel des Sohnes, solange der „in einer erfolgreichen Mannschaft an der Seite seiner Kumpels“ spielt. Irgendwann wird sich der Papa mit dem Abgang des Jüngsten beschäftigen müssen. Kai kann sich derzeit „nicht vorstellen“, als Aktiver noch beim TVA zu spielen. Die erste Mannschaft dümpelt derzeit in der Landesliga, die kann den Ehrgeiz des Kai Schäffner nicht befriedigen. Der Vater unterstützt ihn dabei. Spieler, die „mindestens Dritte Liga spielen können“, werde der TVA „sicher nicht aufhalten“.

Seit acht Jahren spielt Kai Schäffner Handball, Leichtathletik kam erst vor fünf Jahren dazu. Am Anfang hieß die zweite Sportart Fußball. Kai spielte in der Jugend des SC Geislingen. Das Multitalent hätte es ihn vielen Sportarten zu etwas bringen können. Neben Leichtathletik, Fuß- und Handball findet Kai, er könne auch „ganz gut“ Tennis, Schwimmen, Basketball oder Beach- Volleyball. Der Vater schwärmt vom Talent des Sohnes: „Wenn man sieht, wie er ohne eine einzige Trainerstunde Tennis spielt ...“

Vorläufig bleibt’s beim Wurf-Doppel aus Speer und Ball. „Solange es irgendwie geht“ will Kai Schäffner beide Sportarten betreiben. In der Leichtathletik gibt’s derzeit die Medaillen. Im Handball dagegen musste der Michelberg-Gymnasiast jüngst seine „größte sportliche Enttäuschung“ verkraften. Er hat mit der B-Jugend des TVA „völlig unnötig“ den Sprung in die Oberliga Baden-Württemberg verpasst.

Von Thomas Friedrich | 23.08.2017