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Alexander Straub 2007

 

Anfang August reiste ich dann mit der Deutschen Mannschaft nach Thailand. Die  Delegation bestand aus 85 Personen: Athleten, Betreuer, Physiotherapeuten, Ärzten, Offiziellen und sogar zwei Geistlichen. Untergebracht waren wir im Athletendorf, das 1998 für die Asien-Spiele errichtet wurde. Insgesamt wohnten dort ca. 10.000 Athleten aus aller Welt, und weitere 5.000 Betreuer, Kampfrichter, Helfer und Offizielle.

Die Universiade ist die zweitgrößte sportliche Massenveranstaltung nach den Olympischen Sommerspielen. Entsprechend war die Organisation. Für die Fahrten zu den Wettkämpfen und ins Training standen Busse zur Verfügung. Essen wurde in der Mensa ausgegeben und Geschäfte für Einkäufe standen zur Verfügung. Unser komplettes Team ist einer Einladung des Deutschen Botschafters in die Deutsche Botschaft gefolgt. Busse mit Polizeibegleitung brachten uns sicher und schnell durch die verstopften Straßen der 10 Millionen Stadt.

Bangkok im August heißt 35 Grad, enorm hohe Luftfeuchtigkeit und regelmäßige kräftige Regengüsse. Für die anstehenden Wettkämpfe war deshalb eine gute Akklimatisierung besonders wichtig. Es ging dabei ja um nichts Geringeres als um  den Titel des Studentenweltmeisters.

Für den Stabhochsprungwettbewerb waren 16 Teilnehmer gemeldet. Die Verantwortlichen hatten deshalb kurz vor dem Qualifikationswettkampf entschieden, diesen nicht zu durchzuführen, sondern alle 16 Teilnehmer direkt ins Finale zu nehmen. Auf Grund meiner Vorleistung schien eine Medaille möglich. Allerdings wusste niemand, was vor allem die Russen und Ukrainer drauf hatten. Aber grundsätzlich ist beim Stabhochsprung immer alles möglich!

Wir - Tobi Scherbarth und ich - wollten unbedingt einen Doppelsieg! Gerade zum Einspringen und Wettkampfbeginn setzte heftigster Regen ein. Ohne Gnade mit uns Athleten begannen die unerfahrenen einheimischen Kampfrichter den Wettkampf. Als ich dann bei 5,25 m in den Wettkampf einstieg, hörte „Gott sei Dank“ der Regen auf. 5,25 m und 5,40 m meisterte ich jeweils im ersten Versuch. Somit ein gelungener Einstieg. Für die 5,50 m benötigte ich drei Versuche und fiel so zwischenzeitlich auf den 4. Platz zurück. Die nächste Höhe von 5,60 m konnte ich ebenso wie der Russe Leonid Kivalov im 2.Versuch überspringen. So entstand die Situation, dass Kivalov und ich ein Stechen um den Sieg austragen mussten. Beide hatten wir gleich viele Fehlversuche. Höher wurde an diesem Tag nicht gesprungen. Die Kampfrichter hatten dies allerdings nicht bemerkt und so kam es, dass Kivalov zunächst als Weltmeister geführt wurde und ich mich bereits beim Auslaufen befand, als ein Offizieller der IAAF den Fehler reklamierte und die Kampfrichter darauf hinwies. Nach drei Sprüngen im Stechen hatte ich dann das glücklichere Ende. 5,65 m und 5,60 m konnten wir beide nicht mehr überqueren. Bei 5,55 m patzte Leonid Kivalov und ich war am Ziel. Ich war Studentenweltmeister!

Dieses Ereignis in Bangkok werde ich wohl niemals vergessen. Erstens natürlich, weil es für mich sportlich erfolgreich war, und zweitens, weil die Universiade ein unvergessliches Erlebnis war. Zusammen mit 10.000 gleich gesinnten Sportlern solch ein Großereignis erleben zu können, war für mich sehr beeindruckend. Stets freundliche und hilfsbereite Thailänder machten uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich.