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Mareike Arndt verläßt die LG Filstal

Zu den zehn besten deutschen Leichtathletinnen im Siebenkampf gehört die 22-jährige Mareike Arndt. Nach dem Wechsel von der LG Filstal zum TSV Bayer Leverkusen will sie sich weiter steigern.

"Anstrengend war es", schildert Mareike Arndt die ersten Tage nach ihrem Wechsel zum TSV Bayer Leverkusen. Ihr Trainingsumfang hat sich, verglichen mit dem bei der LG Filstal, fast verdoppelt. Elf Einheiten sind es in der Regel wöchentlich, an vielen Tagen also zweimal täglich. Und das Training in einem der führenden Leichtathletik-Vereine Deutschlands ist viel intensiver, es gibt 18 hauptamtliche Trainer, sodass die Betreuungsintensität viel höher sein kann.

Um Klassen besser sind auch die äußeren Bedingungen, es steht zum Beispiel eine Halle mit einer 200-Meter-Rundbahn zur Verfügung, Weitsprung kann dort an drei Anlagen geübt werden, für die Werfer steht eine Winterwurfhalle zur Verfügung. Ärzte und Physiotherapeuten sind stets vor Ort. Überdies wohnt sie jetzt zwei Gehminuten von der Halle entfernt, sodass zeitraubende Wege zu Trainingsstätten wegfallen. Sehr wohl fühlt sie sich in ihrer neuen Trainingsgruppe: "Wir reißen uns gegenseitig mit."

Dass es in Leverkusen solch gute Trainingsbedingungen gibt, war für Bernd Borowsky, seit fünf Jahren Mareike Arndts ehrenamtlicher Trainer bei der LG Filstal, der Hauptgrund, ihr den Vereinswechsel zu empfehlen. Bei der LG Filstal, so ist sich der Trainer sicher, hätte sie sich nicht entscheidend weiter entwickeln können, sodass dem Talent der Weg weiter nach oben verbaut worden wäre. Zur zehntbesten Siebenkämpferin hat sich Mareike Arndt unter Bernd Borowskys Anleitung entwickelt. Talent allein war es nicht, was sie so weit brachte, sondern Wille und Disziplin, was der Trainer besonders an ihr schätzt.

Die Leichtathletik-Karriere von Mareike Arndt, die in Hochdorf zu Hause ist, nahm einen eher ungewöhnlichen Verlauf. Als B-Jugendliche gehörte sie noch der Trainingsgruppe von Kugelstoß-Landestrainer Peter Salzer an (wie auch Lena und Katinka Urbaniak), entdeckte dann aber ihr Interesse am Mehrkampf. Weil es bei ihrem damaligen Verein LG Teck keine Trainer für diese spezielle Wettkampfform gab, sahen sich ihre Eltern und sie um und fanden in Bernd Borowsky bei der LG Filstal den richtigen Mann. Fortan trainierte sie in Uhingen, hin und wieder auch im Stuttgarter Leistungszentrum, wo die LG Filstal als ein Verein mit sehr guter Nachwuchsarbeit stets willkommen ist.

Gemeinsam arbeiteten Athletin und Trainer daran, sie auf die vielseitigen Anforderungen des Mehrkampfs einzustellen. Es war keine leichte Aufgabe, aber mit dem Willen, den Mareike Arndt aufbrachte, stellten sich Verbesserungen zusehends sein, in Württemberg stand sie bald an der Spitze. Den größten Leistungssprung machte Mareike Arndt im abgelaufenen Jahr 2014, vor allem durch ihre deutlich gesteigerte Grundschnelligkeit beim Lauf. Beim Mehrkampf-Meeting im Mai in Ulm schaffte sie in vier Disziplinen persönliche Bestleistung und in der Folge auch persönlichen Rekord von 5709 Punkten, der die Bundestrainer auf sie aufmerksam machte.

Diese Steigerung brachte ihr auch die Nominierung zum Thorpe-Cup, einem Vergleichskampf gegen die USA. Bei diesem Wettkampf war sie nicht mehr so gut in Form, wie sich kurz darauf herausstellte wegen einer Krankheit, die auch den Start bei der U 23-DM verhinderte, in die sie als erste Titelanwärterin gegangen wäre. Die Krankheit hatte sie bald überstanden, auch ein Bänderriss im Sprunggelenk heilte schnell.

Mareike Arndt, die jetzt dem deutschen B-Kader angehört, nachdem sie der Württembergische Leichtathletik-Verband vor Jahresfrist aus seinem Kader gestrichen hatte, hat das Juniorinnen-Alter hinter sich gelassen Ende Januar wird sie 23 und stellt sich dem Wettkampf mit der deutschen Spitzenklasse. Die Wettkämpfe der Hallensaison lässt sie diesmal aus und trainiert durch. Ein Trainingslager auf Lanzarote hat sie hinter sich, drei Trainingswochen in Südafrika folgen Ende Februar.

Wettkampfhöhepunkte, mit denen die Mehrkämpfer sparsam umgehen müssen, sind Starts in Ulm, beim traditionellen Meeting in Ratingen und bei den Deutschen Meisterschaften. Ein realisierbares internationales Ziel für 2016 ist der Start bei der Europameisterschaft in Amsterdam.

Der Sport hat bereits in den vergangenen Jahren das Leben von Mareike Arndt bestimmt. Mehrmals in der Woche fuhr die BWL-Studentin von Heidelberg zum Training nach Uhingen oder Stuttgart. In Leverkusen bleibt nicht mehr so viel Zeit auf der Strecke, sodass sich Mareike Arndt vorgenommen hat, nach ihrem Bachelor-Abschluss in Heidelberg ihr Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln fortzusetzen. Nach einem Auslandssemester in San Jose (Kalifornien) war angesichts einer Stipendiumszusage auch ein längerer Aufenthalt in den USA eine Option, doch sie entschied sich für Leverkusen.

Für Bernd Borowsky (43), der vor einigen Jahren bei der LG Filstal Marc-Dominik Klaschka betreute, einen sehr guten Zehnkämpfer (Bestleistung 7032 Punkte), ist der Vereinswechsel seiner Spitzenathletin, den er ihr selbst nahegelegt hat, Anlass, mit der Trainertätigkeit kürzer zu treten und sich mehr der Familie zu widmen, zumal er beruflich für die Firma Allgaier viel unterwegs ist. Der LG Filstal, der Leichtathletik überhaupt und Mareike Arndt im besonderen bleibt er aber weiterhin verbunden.

Fünf Bestleistungen auf einen Streich
Starker Auftritt Ihren besten Siebenkampf absolvierte Mareike Arndt (LG Filstal) im Mai beim Mehrkampf-Meeting in Ulm. Dabei erreichte sie fünf persönliche Bestleistungen.

Fünf Rekorde       
Die Ergebnisse Mareike Arndts in Wettkampfreihenfolge:
100 Meter Hürden 13,93 Sekunden (persönliche Bestleistung/pB);
Hochsprung 1,61 Meter; Kugelstoßen 12,96 m (pB); 200 Meter 24,38 Sekunden (pB); Weitsprung 5,79 Meter; Speerwurf 39,30 Meter; 800 Meter 2:17,08 Minuten (pB); Gesamtpunktzahl 5709 (pB).

Bericht von KARL-HEINZ PREUSKER  |  17. Januar 2015
aus der Geislinger Zeitung  SÜDWEST AKTIV