Flieger-Trio aus der Fremde siegreich

4. Stabhochsprung-Meeting

Die ausländischen Asse waren die Attraktion des 4. Stabhochsprung-Meetings in Geislingen. Der Franzose Stanley Joseph gewann mit 5,55 Metern.

Zum Glück hat Meeting-Direktor Walter Straub noch die richtigen Kanäle gefunden und in den letzten Tagen vor der Veranstaltung drei starke ausländische Springer verpflichtet. Ansonsten hätten die rund 2000 Zuschauer in der Geislinger Fußgängerzone nur ein kurzes Springen erlebt. Der beste Deutsche stellte nach 5,25 Metern den Dienst ein.

Bei dieser Höhe stiegen die Internationalen erst in der Wettkampf ein. Sie boten den begeisterten Fans ein hochkarätiges Stabhochspringen, das der Franzose Stanley Joseph mit starken 5,55 Metern gewann. Zuschauer und Kollegen feierten ihn mit stehenden Ovationen. Die Höhe rechtfertigte die Siegesprämie von 300 Euro plus Flachbild-Fernseher allemal. Joseph sprang seinen dritten Wettkampf in drei Tagen, das war dem 25-Jährigen am Ende anzumerken. Dennoch versuchte er sich an einem neuen Meeting-Rekord, für den ihm letztlich die Kraft fehlte. Beim ersten Anlauf über 5,66 Meter lief er einfach durch ohne zu springen. „Ich glaube, jetzt ist er platt“, kommentierte Meeting-Sprecher Holger Scheible mitfühlend. Nach dem zweiten vergeblichen Versuch verzichtete der Franzose auf den dritten.

Die Siegeshöhe von 5,55 Meter hatte er im dritten Anlauf geschafft, als sein Erfolg bereits feststand. Unmittelbar zuvor hatten der Lette Mareks Arents und der Norweger Eirik Dolve diese Höhe gerissen. Arents (5,45m) wurde Zweiter und nahm 200 Euro Prämie mit. Der 21-jährige Norweger freute sich als Dritter mit 5,40 Metern über 100 Euro Prämie. Bis zum Scheitern über 5,55 Meter hatte er alle Höhen im ersten Versuch übersprungen und seine Begleitmusik ad absurdum geführt. Dolve sprang zu AC/DCs Highway to Hell – sein Weg führte in die entgegengesetzte Richtung. Der Norweger sprang statt in die Hölle lange Zeit eher gen Himmel.

In diese Richtung ging für die deutschen Springer wenig. Mitfavorit Hendrik Gruber (Bayer Leverkusen) hatte wenigstens eine plausible Erklärung. Er stieg nach dem ersten gescheiterten Versuch über 5,15 Meter wegen Adduktorenproblemen aus. Gute Laune versprühte aus dem nationalen Kontingent allein Robin Pieper. Der ob seiner roten Haare und seines gleichfarbigen Bartes als Pumuckl begrüßte Leverkusener wurde mit 5,25 Metern Vierter. Beim Versuch, mit 5,40 Metern eine neue Bestleistung aufzustellen, scheiterte er dreimal nur knapp.

Richtig enttäuscht waren Lamin Krubally und Jakob Köhler-Baumann, die beide an 5,15 Metern scheiterten. Lokalmatador Köhler-Baumann wäre gerne wie vor zwei Jahren wieder in der Heimat Bestleistung gesprungen, so bleibt die Höchstmarke bei 5,35 Metern stehen. Fast drohte dem Geislinger sogar ein Salto Nullo. Nach zwei Fehlversuchen bei seiner Einstiegshöhe riet ihm der erfahrene Walter Straub zu einem Stabwechsel. Köhler-Baumann nahm einen härteren und flog damit wenigstens noch über 5,05 Meter. Kruballys frühes Ausscheiden tat dem Publikum genauso weh. Das Sprungwunder aus Landau wuchtete sich in allen drei Versuchen deutlich über die 5,15 Meter hoch liegende Latte, um sie am Ende irgendwie doch abzustreifen.

Der „Grandseigneur des deutschen Stabhochsprungs“, wie ihn Scheible bezeichnete, ging mit einem Lächeln. Michel Frauen aus Leverkusen, bislang bei jedem Meeting in Geislingen am Start, sprang am Samstag den vorletzten Wettkampf seiner Karriere. Am Mittwoch bestreitet der 30-Jährige noch das Dom-Springen in Aachen, danach ist Schluss mit Stabhochsprung. Das Karriereende vor Augen brauchte er sich über mäßige 5,05 Meter wenigstens nicht mehr zu ärgern.

Dazu hatten andere diesmal viel mehr Anlass. Ein Grund mehr für sie, es im nächsten Jahr beim fünften Geislinger Stabhochsprung-Meeting besser zu machen.
 
Motivationsschub hilft nicht immer
       
Aus der erhofften Bestleistung vor heimischem Publikum wurde es nichts. Jakob Köhler-Baumann blickt trotzdem auf eine starke Saison zurück.

Eine Stunde nach seinem unerwartet frühen Ausscheiden war Jakob Köhler-Baumann (LG Filstal) wieder ansprechbar. Die Enttäuschung hatte sich gelegt, vor heimischem Publikum statt Bestleistung nur 5,05 Meter gesprungen zu haben.

„Es ist bitter, so knapp zu reißen“, erinnert der Geislinger an seine drei Versuche über 5,15 Meter, die allesamt nicht schlecht waren. Aber eben auch nicht gut genug. „Jammern bringt nichts“, sagt der 22-Jährige und will das Meeting schnell abhaken. Die 5,40 Meter, die er sich für diese Saison auf die Fahnen geschrieben hatte, blieben auch in Geislingen unerreicht.

Eine Chance hat Köhler-Baumann noch, das Ziel zu erreichen: Am Wochenende springt er beim Meeting in Salzburg. Doch selbst wenn es dort wieder nichts wird mit den Fünfvierzig, blickt Köhler-Baumann „trotzdem zufrieden“ auf die Saison zurück. Er hat seine Bestleistung auf 5,35 Meter gesteigert und er ist vor allem mal verletzungsfrei geblieben. Kontinuierlich die Abläufe üben zu können sei für einen Stabhochspringer „sehr viel wert“, sagt der Geislinger.

Das Ergebnis vor heimischem Publikum will er schnell vergessen, nicht aber das Ambiente. In Geislingen springt er „noch viel motivierter als alle anderen“. Wenn er die fünf Meter vierzig nicht schon vorher knackt, würde er es beim fünften Meeting in der Geislinger Fuzo liebend gern nachholen.
 
Nach letztem Sprung Berater und Recycler
       
Mit dem Leverkusener Michel Frauen hat sich ein beliebter Dauergast in Geislingen verabschiedet. Der 30-Jährige bleibt aber dem Sport erhalten.

Die Wehmut über den bevorstehenden Abschied vom Leistungssport hält sich in Grenzen. Michel Frauen bestritt in Geislingen den vorletzten Wettkampf seiner Karriere. Die Zeit zum Aufhören sei reif. Man sehe „ja an den Höhen, dass es nicht mehr so klappt“. Am Samstag waren für ihn nicht mehr als 5,05 Meter drin.

Das Ende der Karriere bedeutet noch längst nicht den Abschied vom Sport. Er veranstaltet im Rheinland ein eigenes Meeting und hat zudem ein eigenes Recycling-Konzept entwickelt. Er sammelt auf Golfplätzen Bälle, die ins Wasser geflogen waren, bereitet sie auf und verkauft sie.

Dennoch betritt Frauen ab kommendem Mittwoch Neuland. Wenn man „sein Leben lang Stabhochsprung gemacht hat“, bedeute das Ende der Karriere natürlich einen Bruch, „aber den werde ich kitten“, verspricht er. Er hält in jedem Fall Kontakt zu seinem vorherigen Leben, „dafür liebe ich diesen Sport zu sehr“, sagt der diplomierte Sportwissenschaftler. Wenn er um Rat gefragt werde, helfe er jederzeit gerne.

Die Geislinger Meeting-Macher hält er für mittlerweile so ausgebufft, dass sie seiner Ratschläge gar nicht mehr bedürfen. Die Veranstaltung vor den begeisterten Zuschauern der Fuzo ist ihm aber so ans Herz gewachsen, dass er „auf jeden Fall wieder nach Geislingen kommen“ will. Statt als Springer dann eben nur noch als Ratgeber und Begleiter für junge Springer.
 
Zum ersten Mal so was gewonnen
       
Mit 5,55 Metern hat der Franzose Stanley Joseph das Springen in Geislingen gewonnen und stellte sich den Fragen der GZ.

Sind Sie unter den gegebenen Umständen zufrieden mit Ihrer Siegeshöhe?

STANLEY JOSEPH: Für heute ist es ein sehr gutes Ergebnis. Es war mein dritter Wettkampf binnen drei Tagen, ich bin so müde.

Haben Sie für den gewonnenen Flachbild-Fernseher Verwendung oder nutzen Sie ihn als Geschenk für Freunde?

Ich hielt es zunächst für einen Spaß. Ich habe so etwas noch nie gewonnen. Der bekommt aber auf jeden Fall seinen Platz bei mir zu Hause.

Sie mussten im Vorjahr kurzfristig wegen der Berufung zu einem Länderkampf absagen und versprachen, 2016 zu kommen. Sie haben Wort gehalten. Wie sieht’s 2017 aus?

Hier in Geislingen sind sehr gute Bedingungen fürs Stabhochspringen. Warum sollte ich im nächsten Jahr nicht kommen? Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, bin ich wieder dabei.

THOMAS FRIEDRICH  |  5. September 2016 Berichte aus der Geislinger Zeitung