Lena Urbaniak - Mit Laissez-faire zum Titel

Leichtathletik - DLV-Serie: NEUE MEISTER

Die Deutschen Hallen-Meisterschaften in Karlsruhe haben sieben junge Titelträger hervorgebracht, die noch nie zuvor bei den Erwachsenen ganz oben auf dem DM-Treppchen gestanden haben. Wir stellen neue Gesichter und Aufsteiger vor. Einige der „Neuen Meister“ gehören trotz ihrer Jugend schon zu den bekannten Athleten der Szene. Heute an der Reihe: Kugelstoßerin Lena Urbaniak (LG Filstal).

 

Lena Urbaniak - LG Filstal - *31. Oktober 1992 Größe: 1,74 Meter   
Kugelstoßen - Bestleistung: 17,84 m (2014)
EM-Achte 2014, Dritte U23-EM 2013
U20-Europameisterin 2011, U18-Weltmeisterin 2009
Sechste U18-WM 2009 (Diskus)

Das Gewicht im Kraftraum fühlt sich heute irgendwie ein bisschen schwerer an als sonst? Das Gefühl spricht eher für einen trainingsfreien Nachmittag und gegen noch eine Einheit? Steht ein wichtiger Wettkampf vor der Tür, wird der ursprüngliche Trainingsplan von Lena Urbaniak und Trainer Peter Salzer schonmal umgestaltet. Denn nicht nur der Körper muss am Tag X in Topform sein, sondern auch der Geist.

Lockerheit und Spaß sind in Sachen mentale Vorbereitung die Zauberwörter des Duos. Ein Schlüssel zum Erfolg. "Wir arbeiten den Trainingsplan generell gemeinsam aus und passen ihn an die Tagesverfassung an. Vor wichtigen Wettkämpfen ist es dann noch ein bisschen mehr Laissez-faire", erzählt Lena Urbaniak, die schon seit sieben Jahren mit Peter Salzer zusammenarbeitet.

Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Karlsruhe ging dieses Konzept einmal mehr auf. "Ich hatte einfach Lust, einen tollen Wettkampf zu machen", beschreibt die EM-Achte ihre Stimmung, mit der sie die Messehalle Karlsruhe betrat. Mit diesem Gefühl konnte die 22-Jährige dann auch das umsetzen, was sie sich im Training erarbeitet hatte. 17,79 m, Hallenbestleistung. Gedanken darüber gemacht, dass diese Weite Gold wert sein könnte, hatte sich Lena Urbaniak im Vorfeld der Hallen-DM nicht. Umso mehr freute sie sich, als es so kam. Andererseits gingen die Gedanken auch Richtung Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge), der nach einer Knie-OP im Winter noch nicht wieder fitten Europameisterin, die national in den vergangenen beiden Jahren unangefochten Spitze war.

Drehstoß von Anfang an  
Mit dem Wechsel auf die Eliteschule des Sports in Stuttgart im Alter von 15 Jahren begann für Lena Urbaniak schon früh die Arbeit an der Drehstoßtechnik im Kugelstoßen. Bewegungstalent und Trainingsfleiß führten schnell zu ersten Erfolgen und internationalen Lorbeeren in den Nachwuchsklassen: Gold bei der U18-WM 2009 mit 15,28 Metern. Gold bei der U20-EM 2011 mit 16,31 Metern.

Aber auch mit den Tücken der komplizierten Technik machte Lena Urbaniak schon Bekanntschaft. Zum Beispiel bei der Hallen-EM reichte es nicht zum Finale, obwohl das von der Papierform erreichbar schien. Trotz jahrelanger Übung muss eben auch der "Groove" stimmen, damit ein gelungener Versuch mit der Drehstoßtechnik zu Stande kommt. Von einem verunglückten Versuch gilt es, sich nicht die Zuversicht und Sicherheit nehmen zu lassen.

Den Anschluss bei den "Großen" zu finden, war ein hartes Stück Arbeit. Dass es auch hier zu internationalen Top-Ergebnissen reichen kann, hat das vergangene Jahr gezeigt - mit dem EM-Finale und Platz acht dort.

Nächstes Ziel: 18 Meter  
Auf der Konstanz der Technik lag das Augenmerk im Wintertraining - und natürlich auch daran, noch größere Bestweiten zu ermöglichen. "Ich habe an der Geschwindigkeit im Ring gearbeitet", so die Dritte der U23-EM, die der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehört. Die 18 Meter sind das nächste Ziel, das im Sommer abgehakt werden soll.

Die Grundlage im Training dafür ist gelegt und wird in den nächsten Wochen weiter ausgebaut. Was die mentale Vorbereitung auf eine solche Steigerung angeht, wird das Duo Urbaniak/Salzer vor Wettkämpfen wieder auf ihr Laissez-faire-Konzept zurückgreifen. Das hat sich bewährt.

Das sagt Bundestrainer Klaus Schneider:  
Lena hat im Nachwuchsbereich starke Leistungen und Ergebnisse erzielt. Ihre Entwick- lung ist kontinuierlich verlaufen. Die 18 Meter ist die nächste Schallmauer - und dann die WM-Norm von 18,40 Metern. Sie macht den Drehstoß bei den Frauen salonfähig. Das ist sehr positiv. Wir haben nicht so viel Personal, das sich mit dieser Technik beschäftigt. Beim Höhepunkt ist dann viel Kopfsache dabei, bei der Drehstoßtechnik schleichen sich leicht Fehler ein. Für Lena geht es darum, die Technik weiter zu vervollkommnen. Auch an den Zubringerwerten, sprich spezielle Kraft, gilt es, zu arbeiten. Da hat sie Reserven. Vom Typ her ist Lena umgänglich und freundlich. Sie hat immer ein Lächeln auf den Lippen und es ist angenehm, mit ihr zu arbeiten.

Bericht von Jan-Henner Reitze  |  14. April 2015 aus den DLV-News