Lena Urbaniak: "U18-Titel war emotional krasser"

Lena Urbaniak (LG Filstal) hat bei der deutschen Meisterschaft in Ulm im Kugelstoßen mit Bestleistung von 17,84 Metern Rang zwei belegt. Die 21-jährige Böhmenkircherin hofft noch aufs EM-Ticket.

Haben Sie in Ulm den besten Wettkampf Ihrer Karriere abgeliefert?
LENA URBANIAK: Es war definitiv der beste Wettkampf meiner Karriere. Fünfmal über 17 Meter schaffte ich noch nie.

Haben Sie speziell auf diese Meisterschaft hintrainiert?
URBANIAK: Ich hatte die deutsche Meisterschaft als meinen absoluten Saison- höhepunkt auserkoren, da wollte ich unbedingt meine beste Leistung abrufen.

Mit welchen Erwartungen fuhren Sie nach Ulm?
URBANIAK: Ich wollte dort meine guten Trainingsleistungen umsetzen. Im Technik- und Athletikbereich habe ich enorm gearbeitet. Was dann dabei rauskam, hat mich schon vom Hocker gehauen. Ich wollte höchstens meine Bronzemedaille aus dem Vorjahr verteidigen, Silber war im Vorfeld nicht abzusehen. 

Der Wettkampf in Ulm war auf dem Münsterplatz. Für Stabhochspringer sind Wettkämpfe in der City nichts Neues, wie wars für die Kugelstoßer?
URBANIAK: Es gab schon Wettbewerbe in Gotha nahe dem Schloss, aber Meister- schaften hatten wir in so einem Ambiente zum ersten Mal. Das war schon unge- wohnt.

Wie sehr beeinflusst die Atmosphäre die Leistungen der Athleten?
URBANIAK: Es war phänomenal. Eine Plattform, wie sie dem Kugelstoßen so noch nie geboten wurde. Familie, Freunde - alle waren da und ganz dicht dran. 4500 Zuschauer kamen, so viel Aufmerksamkeit hatten wir noch nie. Das zeigt, wie sehr Kugelstoßen auch begeistern kann. Diesem Modell könnte die Zukunft gehören.

Ist diese Silbermedaille bei den Aktiven mehr wert als die Titel bei der U18-WM und der U20-EM?
URBANIAK: Das kann man nicht miteinander vergleichen, es ist was ganz ande- res. Emotional war der U18-Titel sogar einen Tick krasser, weil dort auch die Nationalhymne gespielt wurde.

Aber dieses Ergebnis in Ulm kann sich schon sehen lassen, oder?
URBANIAK: Ja klar. Am Freitag in Ulm wars unglaublich. Es ist supercool, nun bei den Frauen deutsche Vizemeisterin zu sein.

Zur Norm für die Europameisterschaft in Zürich fehlen ganze 16 Zentimeter. Haben Sie als deutsche Vizemeisterin und Europas Nummer 13 dennoch Chancen, dabei zu sein?
URBANIAK: Am Mittwoch wird der EM-Kader benannt. Noch weiß ich nicht, ob ich dabei bin. Es wäre die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

Haben die Trainer nichts durchblicken lassen?
URBANIAK: Der Bundestrainer war begeistert von meinem Wettkampf und sagte mir, ich könne positiv in die Zukunft schauen. Was immer er damit auch gemeint hat.

Der Zürcher Letzigrund ist für Leichtathleten ja wohl so was wie Wembley für einen Fußballer.
URBANIAK: Ja, der Letzigrund ist ein Stadion, wo man als Leichtathlet mal gewesen sein sollte. Es wird sicher eine megageile Meisterschaft.

Die wäre der ideale Rahmen, um die 18-Meter-Marke zu knacken.
URBANIAK: Im Vordergrund stünde Erfahrung zu sammeln. Es wäre schließlich meine erste internationale Meisterschaft bei den Frauen. Wenn ich da noch die Marke knacken könnte, wäre es perfekt.

Ansonsten fällt sie wann?
URBANIAK: Das wird man sehen. Es gibt noch einige Wettkämpfe in diesem Som- mer. Ich will mich nicht festlegen, wann die Marke fällt. Vielleicht schaffe ich es in diesem Jahr, ich will aber nichts erzwingen.

Leichtathletik - zur Deutschen Meisterschaft in Ulm
Interview von THOMAS FRIEDRICH  |  29. Juli 2014
aus der Geislinger Zeitung