Deutsche Kugelstoß-Meisterin will auch bei EM überzeugen

Leichtathletik - zu den Deutschen Hallen-Meisterschaften in Karlsruhe

Am Samstag wurde die Böhmenkircherin Lena Urbaniak (LG Filstal) in Karlsruhe deutsche Hallenmeisterin im Kugelstoßen. Im GZ-Interview spricht sie über ihre Gefühle und das Geheimnis ihres Erfolgs.

In Karlsruhe feierten Sie den größten Erfolg Ihrer Karriere. Schmälert das Fehlen von Europameisterin Christina Schwanitz die Freude und den Stolz über den Titel?

LENA URBANIAK: Überhaupt nicht. Es war ein spannender Wettkampf und Christinas Abwesenheit hat meine Freude in keinster Weise geschmälert.

Die hätte ja auch erst mal weiter stoßen müssen als Sie.

Wenn eine Christina Schwanitz antritt, ist sie fit. Und dann ist sie auch jederzeit in der Lage, noch deutlich weiter zu stoßen.

Da sie wegen einer Knie-OP fehlte, lag das Gold für Sie griffbereit?

Keineswegs. Es war von vornherein überhaupt nicht klar, dass ich gewinne. Ich habe einen spannenden Vierkampf um den Titel erwartet, und der ist es ja auch geworden. Ich bin natürlich überglücklich, dass es mit drei Zentimetern Vorsprung für mich ausgegangen ist.

Sie haben mit 17,79 Metern persönliche Hallenbestleistung gestoßen und die Norm für die Hallen-Europameisterschaft in zwei Wochen in Prag erfüllt. War damit zu rechnen?

Ich habe im Vorfeld sehr gut trainiert und beim Meeting in Rochlitz mit 17,47 Metern meine Hallenbestleistung schon einmal verbessert. In Karlsruhe fühlte ich mich richtig gut, die Stimmung war toll und es war daher abzusehen, dass ich mein Leistungspotenzial abrufen kann.

Kein bisschen überrascht von sich?

Doch, schon ein wenig. Ich hatte bislang keine konstante Hallensaison. Von daher bin ich schon ein bisschen überrascht, wie ich das gute Training in den Wettkampf rübergebracht habe.

Es gehört ja mittlerweile zum Alltag, dass Sie bei großen Wettkämpfen auf den Punkt topfit sind. Ist es eine Frage der mentalen Stärke?

Natürlich hat es auch mit mentaler Stärke zu tun. Mein Trainer Peter Salzer weiß genau, wie er mich vorbereiten muss. Das Umfeld stimmt, die Familie steht hinter mir - das alles gibt mir Sicherheit.

Und das Wissen, bislang auch immer da gewesen zu sein, als es drauf ankam.

Es gibt einem schon viel Selbstvertrauen zu wissen, dass man bei großen Wettkämpfen schon topfit war. Da kommt fast automatisch das gute Gefühl auf: Diesmal wird es wieder klappen.

Sie haben nach dem Sieg in Karlsruhe erklärt, beim entscheidenden zweiten Stoß auf die Siegesweite einfach nicht nachgedacht zu haben. Wie genau schafft man denn so was?

Ich habe einfach die Stimmung genossen und war nach dem ersten Versuch richtig positiv drauf. Wenn man nicht nachdenkt, passiert so was einfach so. Es wird einem dann erst im Nachhinein bewusst, dass man gar nicht nachgedacht hat.

Sie mutmaßten ja, dass Ihr Stoß genau deswegen so weit ging. Bedeutet das künftig verstärkt mentales Training, um den Kopf auszuschalten?

Es gibt einige offene Baustellen, die man mit mentalem Training schließen kann. Es wird sicher nicht bei jedem Stoß funktionieren, aber man kann es trainieren, damit es bei immer mehr Versuchen klappt.

Sie arbeiten also schon daran?

Ich habe oft mit DLV-Psychologin Heike Kugler über Abläufe im Wettkampf gesprochen. Man kann es einigermaßen steuern, aber auf Knopfdruck den Kopf auszuschalten ist nicht möglich.

Sie haben sich komplett auf die deutsche Hallenmeisterschaft fokussiert. Sind noch ein paar Körner für die Europameisterschaft Ende kommender Woche in Prag übrig?

Natürlich. Ich war direkt am Montag schon wieder im Training und werde in Prag sicher wieder topfit an den Start gehen.

Also business as usual?

Nach einem so tollen Wettkampf wie in Karlsruhe ist ein gewisser Spannungsabfall normal. Doch schon allein die Vorfreude auf Prag hält die Spannung aufrecht.

Mit welchen Zielen fahren Sie nächste Woche zur EM?

Der Sprung unter die ersten acht ist vielleicht wieder möglich. Es hängt auch davon ab, wer am Start ist und in welcher Verfassung. Ich kann nur meine Leistung beeinflussen, die der anderen nicht.

Bei der Freiluft-Europameisterschaft vorigen August im Züricher Letzigrund haben Sie als Achte doch schon gezeigt, unter die Besten kommen zu können.

Stimmt. Da hatte ich Spaß und war völlig locker. Genauso will ich auch in den Wettkampf in Prag gehen.


Zusatzinfo - Zur Person     
Die 22-jährige Lena Urbaniak von der LG Filstal trainiert am Olympiastützpunkt Stuttgart. Die Kugelstoßerin aus Böhmenkirch wurde 2009 U18-Weltmeisterin und zwei Jahre später U20-Europameisterin. Bei der Freiluft-Europameisterschaft der Aktiven in Zürich belegte sie im Vorjahr sensationell Rang acht. Mit dem deutschen Hallenmeistertitel in Karlsruhe setzte sie ihren Höhenflug fort.

Interview von THOMAS FRIEDRICH  |  25. Februar 2015
aus der Geislinger Zeitung