Silber in letzter Sekunde für Lena Urbaniak

Deutsche Meisterschaften in Nürnberg

Spannend wie noch nie machte es Kugelstoßerin Lena Urbaniak (LG Filstal) bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg. Mit dem letzten Versuch sicherte sie sich wie vor einem Jahr die Silbermedaille.

Als der nervenaufreibende Kugelstoß-Wettbewerb bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg vorüber war und Lena Urbaniak die angestrebte Silbermedaille gewonnen hatte, wich die Anspannung und Freude kam auf. "Der wohl schwierigste Wettkampf dieser Saison!!!! Jetzt bin ich einfach nur glücklich und erleichtert", teilt die 22-Jährige allen mit, die einen Blick auf ihre Facebook-Seite werfen. Einige Gratulanten haben sich dort eingetragen, unter ihnen Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer.

In der Tat wuchs bei Lena Urbaniak die Anspannung von Stoß zu Stoß. Im ersten Versuch blieb sie deutlich unter 16 Metern. Beim zweiten Stoß landete die Kugel bei 16,33 Meter, was in der aktuellen Reihenfolge Platz vier bedeutete. Favoritin Christina Schwanitz (LV Erzgebirge) hatte gleich 20,00 Meter vorgelegt und damit die Meisterschaft bereits entschieden, denn so weit kann keine andere Frau in Deutschland stoßen.

Umso umkämpfter waren die Medaillenplätze hinter Schwanitz. Erste Anwärterin auf Silber war nach den Ergebnissen dieses Jahres, vor allem den 18,00 Metern beim Universiade-Sieg in Gwangju, Lena Urbaniak. Doch im dritten Versuch steigerte sie sich zwar auf 16,47 Meter, doch auch die Konkurrenz hatte sich gesteigert und die Böhmenkircherin fiel auf Rang fünf zurück. Entschlossen ging Lena Urbaniak zum vierten Mal in den Ring. Wieder konnte sie sich etwas steigern, doch die 16,55 Meter bedeuteten weiterhin Platz fünf.

Eine dramatische Situation kündigte sich nach dem fünften Durchgang an. Lena Urbaniak hatte sich ein weiteres Mal gesteigert und 17,03 Meter erreicht, genau so viel wie die zu diesem Zeitpunkt Dritte, Josephine Terlecki (Leipzig), doch diese war bei der nun maßgebenden zweitbesten Weite um 19 Zentimeter im Vorteil (16,74 zu 16,55 Meter). Zum sechsten Versuch musste Lena Urbaniak als Fünfte antreten und entging so den Fernsehkameras, die sich erst später wieder dieser Disziplin zuwandten. So ging Lena Urbaniak fast unbemerkt in den Ring. Die Drehung klappte, sie bekam die ganze Kraft hinter die Kugel und erwischte den optimalen Winkel: Die Kugel flog auf 17,28 Meter hinaus und die Filstal-Athletin konnte sich über die Silbermedaille freuen. Zweite war sie auch bei der Deutschen Meisterschaft 2014 in Ulm, 2013 hatte sie - ebenfalls in Ulm - die Bronzemedaille gewonnen. In Nürnberg ging Bronze an Denise Hinrichs (Wattenscheid), die im ersten Versuch 17,19 Meter vorgelegt hatte. Als sie Lena Urbaniaks letzten Versuch gesehen hatte, versuchte sie zu kontern und erzielte mit 17,14 Meter ihre zweitbeste Weite, kam aber an Lena Urbaniak nicht mehr vorbei.

Die alte und neue Meisterin Christina Schwanitz, mit einer Jahresbestleistung von 20,77 Meter derzeit die Beste der Welt, freute sich über ihren Sieg, hätte aber gerne mehr als ihre 20,00 Meter gestoßen. Zum einen versucht sie, im Hinblick auf die Weltmeisterschaften in Peking (22. bis 30. August) mehr Konstanz in ihre Stöße zu bringen, zum anderen hatte sie sich vorgenommen, drei Meter vor den Konkurrentinnen zu liegen. Schwanitz wird wie auch die Athletinnen auf den Rängen zwei bis fünf der Deutschen Meisterschaften am Freitag, 7. August, beim Meeting in Böhmenkirch an den Start gehen.

Vor ihrem "Heimspiel" in Böhmenkirch hat Lena Urbaniak noch einige Wettkämpfe vor sich. Schon morgen fliegt sie nach Stockholm, wo sie am Mittwoch zu den acht eingeladenen Starterinnen - darunter Weltmeisterin Valerie Adams aus Neuseeland und Christina Schwanitz - bei der Diamond League gehört. Am kommenden Wochenende steht ein weiterer internationaler Start in Schifflange/Luxemburg bevor.

Ergebnis Deutsche Meisterschaft im Kugelstoßen:
1. Christina Schwanitz (LV Erzgebirge) 20,00 Meter;
2. Lena Urbaniak (LG Filstal) 17,28;
3. Denise Hinrichs (TV Wattenscheid) 17,19;
4. Josephine Terlecki (SC DHfK Leipzig) 17,03;
5. Sara Gambetta (SC DHfK Leipzig) 16,84;
6. Shanice Craft (MTG Mannheim) 16,38;
7. Katharina Maisch (TuS Metzingen) 15,72;
8. Sarah Schmidt (LV Erzgebirge) 15,48.

Bericht von KARL-HEINZ PREUSKER   |  27. Juli 2015
aus der Geislinger Zeitung