Goldene Zeiten für Leichtathletik-Zwillinge

Oskar Neudeck wird Deutscher Neunkampfmeister und gewinnt an der Seite von Bruder Felix sowie Kai Schäffner mit der LG Filstal auch den Mannschafttitel.

Mit persönlicher Bestleistung von 5401 Punkten war Oskar Neudeck nach zwei anstrengenden Tagen in Bernhausen bester Neunkämpfer in der Altersklasse der Fünfzehnjährigen. Als Nummer vier der Rangliste angereist, ließ er sich mit ausgeglichen starken Leistungen und zwei neuen persönlichen Rekorden in der Königsdisziplin feiern. Im Stabhochsprung meisterte er erstmals 3,90 Meter und im abschließenden 1000-Meter-Lauf kämpfte er sich auf 3:08,68 Minuten. Die meisten Punkte holte er mit seinem Speerwurf von 55,02 Meter, dem Diskuswurf auf 41,10 Meter sowie einem Sprung über die Höhe von 1,77 Meter.

Sein Zwillingsbruder Felix war als Jahresbester an den Start gegangen, hatte aber in der zweiten Disziplin Diskuswerfen nach drei ungültigen Versuchen die Chance auf einen Neudeck-Doppelsieg vertan. Nach dem Schock bewies er Kämpferqualitäten. Er setzte den Mehrkampf mit tollen Ergebnissen fort – schließlich wollte die LG Filstal ja auch um den Titel in der Teamwertung mitmischen. Im Stabhochsprung schwang sich Felix Neudeck über eine neue Rekordhöhe von 4,10m und im Speerwurf gelang ihm mit 49,27m eine noch niemals erzielte Weite. Über 80 Meter Hürden war er in 11,09 Sekunden Schnellster aller 22 Teilnehmer, im Hochsprung überquerte außer ihm keiner 1,83 Meter.

Mit diesen Klasseleistungen hat sich die LG Filstal in der Teamwertung kontinuierlich nach vorne gearbeitet, zumal der das Trio vervollständigende Kai Schäffner gleich fünf persönliche Rekorde verbuchte. Zwar verlor er in seiner Paradedisziplin Speerwurf wegen ungünstiger Windböen und einem Sicherheitswurf (42,60m) eine Menge Punkte, die holte er mit dem Diskus (40,06m) und einer dreimaligen Steigerung im Kugelstoßen auf 13,85m zurück. Nach den Kugelstoßergebnissen ging die LG Filstal in der Teamwertung in Führung, baute sie im Hochsprung noch weiter aus und hatte nach den 1000-Meter-Resultaten die Bremer Kontrahenten noch ganz klar hinter sich gelassen. Der Titel in der Teamwertung war Lohn dieses unbändigen Kampfgeistes aller drei. Die Siegerehrung versetzte nicht nur die Athleten, sondern auch das Betreuerteam Roland Mäußnest, Richard Spiegelburg, Kerstin Schulz, Helmut Pulvermüller und Dunja Moser sowie die mitgereisten Angehörigen in Euphorie.

Ein kleiner Wermutstropfen beschäftigte Cheftrainer Roland Mäußnest am Ende dann doch noch. Bei einem nur ganz schwachen, aber wenigstens gültigen Diskuswurf von Felix Neudeck hätten sich die Filstäler neben einem Doppelsieg auch mit einer neuen deutschen M 15-Bestleistung belohnt. Der Trainer hofft, dass bei diesem Leistungsniveau der Leichtathleten künftig nicht noch einmal ein Diskustraining wegen Rasenpflegemaßnahmen im Uhinger Haldenbergstadion abgesagt werden muss – wie am Dienstag vier Tage vor dem Wettkampf.

Mandy Münkles Traum von einem Spitzenplatz in der Altersklasse U 18 platzte gleich in der ersten Disziplin des Siebenkampfes. Sie blieb beim Hürdenlauf an der vorletzten Hürde mit dem Nachziehbein hängen und stürzte. Die anschließende Disqualifikation bedeutete einen Punktestand von null. Trotz Schmerzen machte sie dennoch weiter – unter diesen Umständen ist die Hochsprungleistung von 1,63m beachtenswert. Zahlreiche Prellungen und Blutergüsse zwangen sie aber zur Aufgabe am zweiten Tag.

In der Altersklasse W 15 bestritt Lina-Sophie Hommel mit Rückenproblemen den Siebenkampf. Dadurch schöpfte sie vor allem in den Sprüngen ihr Potenzial nicht wie gewohnt  aus. Dennoch stellte sie über 80-Meter-Hürden mit 12,55 Sekunden und über 800 Meter  in 2:39,74 Minuten neue Bestleistungen auf. So kam sie im Endklassement auf einen guten neunten Rang und  ließ damit sieben Athletinnen hinter sich, die in der Meldeliste vor ihr gelegen hatten. Sarah Angelmaier landete mit drei neuen Bestleistungen auf Platz 22. Sie lief 100 Meter in 13,26 Sekunden, stieß die Kugel 12,30 Meter weit und warf den Speer auf 31,50 Meter.

Mia Herrmann (W 14) punktete als Zweitbeste im 100-Meter-Sprint mit 12,65 Sekunden und auch über 80-m-Hürden in 12,58 mächtig. Beide Zeiten bedeuteten für sie Leistungsverbesserungen. Ein starker Weitsprung von 5,15m und ein beherzter 800-m-Lauf in 2:40,37Minuten reichten aber wegen schwächerer Würfe doch nicht zu einer Top-Ten-Platzierung. Rang 13 und 3464 Punkte brachten aber in der Teamwertung U 16 die notwendigen Zähler, mit denen die LG Filstal-Mädchen als Vierte so renommierte Vereine wie den TV Wattenscheid und den Württembergischen Meister SSV Ulm 1846 hinter sich ließen.

Von Uli Bopp | 22.08.2017