Martina Schultze - Der Schwester auf den Fersen

Mit dem Namen Martina Schultze ganz oben in der Ergebnisliste des Stabhochsprungs bei den U20-Europameisterschaften in Novi Sad (Serbien) hatten nicht zu viele gerechnet. Dabei scheint in der Familie das „Stabhochsprung-Gen“ besonders ausgeprägt zu sein. Auch ihre Schwester Anna (beide LG Filstal) stand bei internationalen Nachwuchsmeisterschaften schon zweimal auf dem Siegerpodest.
Dass Anna Schultze hoch springen kann, hat die heute 24-Jährige schon mehrmals bewiesen. Allein viermal in Folge war sie von 2004 bis 2007 Deutsche Juniorenmeisterin, 2006 stand sie bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften als Dritte auf dem Podest. Internationale Erfolge sammelte sie bei der U20-WM 2004 in Grosseto (Italien) und der U23-EM 2007 in Debrecen (Ungarn), wo sie jeweils Zweite wurde.

Die große Anzahl von Titel fehlen ihrer fünf Jahre jüngeren Schwester Martina zwar noch, aber eines hat ihr die 18-Jährige jetzt schon voraus: Mit 4,20 Metern sicherte sie sich den Titel bei der U20-EM. In Novi Sad bot sich der Abiturientin eine Chance und sie nutzte sie.

Stechen verhindert

Als letzte Springerin des Wettbewerbs stand der Schützling von Bernd Borowski bei 4,20 Metern am Anlauf. Auch ihre letzten drei Konkurrentinnen waren gerade bei 4,20 Metern ausgeschieden. Die nächsten Minuten würden entscheiden: Im dritten Versuch über 4,20 Meter und Gold ist sicher, oder reißen und in das Stechen mit der Russin Yekaterina



Kolesova müssen. „Ich stand da und habe nicht gezweifelt, sondern an mich geglaubt“, erzählte Martina Schultze später. Sie habe sich gedacht: „‘Das ist deine Chance – nutz sie.‘ Sonst hätte ich mich später nur geärgert.“

Nicht nur bei ihr und dem deutschen Team war die Freude nach dem geglückten Versuch über 4,20 überschwänglich. Auch Schwester Anna, mit der sie daheim gemeinsam trainiert, wird sich sicher mit ihr gefreut haben. „Wir verstehen uns unheimlich gut und feuern uns auch immer gegenseitig an. Wir gönnen und gegenseitig den Erfolg und dass wir hoch springen“, berichtete Martina Schultze. Sie selbst sieht ihre Schwester als eine Art Vorbild, zu der sie aufschauen kann.

Zwischenfall in Ungarn

In Novi Sad vor Ort konnte Anna Schultze nicht sein. Die Filstalerin hütete daheim die Haustiere während sich die Eltern der Schwestern auf den Weg nach Serbien machten. „Aber dann ist ihnen in Ungarn das Auto geklaut worden und sie mussten wieder umkehren und von daheim mitfiebern“, erzählte Martina Schultze. „Da hab ich mir gedacht: So! Jetzt aber erst recht.“


Eine Medaille hatte sie zuvor allerdings nicht erwartet. „Kein bisschen habe ich damit gerechnet“, erzählt sie, fügt aber hinzu, dass man das Treppchen natürlich immer im Hinterkopf habe. „Ich wollte Bestleistung springen und einen guten Wettkampf machen. Und dann wurde es plötzlich eine Medaille“, beschrieb sie. Zwar versuchte sie sich im Anschluss noch an der neuen persönlichen Bestleistung von 4,30 Metern, „aber da konnte ich dann einfach nicht mehr.“

Die Freude trüben konnte das aber nicht mehr. Mit einem breiten Lachen und einer Deutschland-Fahne ging die Waldorfschülerin auf die Ehrenrunde. Überhaupt ist sie ein fröhlicher Mensch. „Ich lache gerne, unternehme etwas mit Freunden, mag den Sommer und die Sonne“, erzählt sie und die Augen strahlen. Oft sieht man sie im Sommer beim Schwimmen oder Beachvolleyball spielen – wenn der Wettkampfplan es zulässt. Kein Wunder, dass sie bei den hohen Temperaturen in Novi Sad erst richtig auf Touren kam und zuschlug!
 
www.leichtathletik.de / Anja Herrlitz