Freudensprung im Regen

Kugelstoßerin Lena Urbaniak (LG Filstal) ist am Ziel: Die 21-Jährige aus Böhmenkirch hat bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Zürich die Qualifikation überstanden und das Finale am Sonntag erreicht.

Normalerweise ist Regen für Lena Urbaniaks Kugelstoßleistung "der reine Horror", an die Sintflut von Zürich wird sie sich aber gerne zurückerinnern. Mit 17,17 Metern belegte sie Rang zehn in der Qualifikation und steht gleich bei ihrer EM-Premiere im Kugelstoß-Finale der Frauen morgen um 15 Uhr.

Spaß haben und die Atmosphäre genießen, das waren Urbaniaks ursprüngliche Ziele. Damit wars gestern bei wolkenbruchartigem Regen im dadurch zwangsläufig fast leeren Stadion nicht weit her. Die Favoritinnen um Christina Schwanitz (LV Erzgebirge) traten in den Ring, überboten die geforderte Qualifikationsweite von 17,50 Metern und packten wieder zusammen. Diese Quali-Vorgabe lag schon im Bereich von Urbaniaks Bestleistung (17,84 m), so locker wars für die 21-Jährige daher nicht.

Dennoch hätten ihre 16,88 Meter aus dem ersten Versuch schon gereicht, um zu den zwölf Besten zu gehören. Nach einem ungültigen zweiten Versuch war sie vor ihrem letzten schon sicher qualifiziert. Sie lag auf Rang zehn und nur noch zwei Konkurrentinnen stießen nach ihr. Lena hätte auf den letzten Versuch verzichten können, wusste aber gar nicht, dass sie schon qualifiziert war. Das war ihr erst klar, als die Kugel auf den nassen Rasen klatschte. 17,17 Meter entlockten der Böhmenkircherin einen Freudensprung.

Sie hat sich vom Regen "nicht aus der Ruhe bringen lassen", bilanziert Lena Urbaniak ihre Quali-Vorstellung. Jetzt ist sie "einfach nur super-glücklich" über den Einzug ins Finale. Dort liebäugelt sie mit einem Platz " unter den besten Acht". Ob sie den erreicht, hängt auch davon ab, "wie die anderen drauf sind", von denen einige in der Qualifikation mit dem nassen Ring nicht zurechtkamen. Egal, wies morgen ausgeht, allein das Erreichen des Finales wertet die 21-jährige Kugelstoßerin als "riesigen Erfolg".

Eine neue Bestleistung wäre ein schönes Nebenprodukt, ist aber bei Meisterschaften nicht so wichtig. Dort kommts nur auf den Platz an, "an die Weite erinnert sich später sowieso niemand mehr", sagt die Böhmenkircherin. Morgen wird sie aber beides verbinden müssen. Will sie wirklich unter die besten Acht und damit nach drei Versuchen nicht schon die Kugeln einpacken müssen, braucht sie wohl eine Bestweite.

Die Bedingungen lassen eine solche zu. Die Wetterstationen melden für morgen Sonnenschein im Zürcher Letzigrund. Dann kann Lena Urbaniak vielleicht doch den Wettkampf und die Atmosphäre in einem vollen Stadion genießen.

Leichtathletik - Europameisterschaft in Zürich
Bericht von THOMAS FRIEDRICH  |  16. August 2014
aus der Geislinger Zeitung