LENA URBANIAK: "Es wird bei mir nie mehr die gleiche Unbefangenheit geben"

Kugelstoßerin Lena Urbaniak (LG Filstal) hat bei der Leichtathletik-Europameisterschaft als Achte alle Erwartungen übertroffen. Im Interview spricht die 21-jährige Böhmenkircherin über die Tage von Zürich.

Herzlichen Glückwunsch zu einem fast perfekten Tag in Zürich. Zum totalen Glück fehlte ja nur noch die Bestleistung

LENA URBANIAK: Danke, es war ein perfekter Tag - auch ohne Bestleistung, zu der ja nur sieben Zentimeter fehlten. Mit 17,77 Metern bin ich schon sehr zufrie- den. Das Wetter war super, die Stimmung auch und ich hatte jede Menge Spaß.

Das hat man gemerkt. Beim fünften Versuch von Europameisterin Christina Schwanitz haben Sie als Stimmungskanone das Publikum aufgepeitscht.

URBANIAK: Christina sagte: Komm, mach mal was, damit Stimmung aufkommt. Das habe ich dann getan.

Die 17,77 Meter haben Sie im zweiten Versuch gestoßen, danach kam nicht mehr viel.

URBANIAK: Stimmt. Nach dem zweiten Versuch war ich nervös, weil ich plötzlich Siebte war und das Finale greifbar nahe hatte. Als dann feststand, dass ich den Endkampf der besten Acht erreicht hatte, war irgendwie die Konzentration weg. Das große Ziel war ja erreicht. Außerdem hatte ich damit gerechnet, für einen Platz im Endkampf weiter stoßen zu müssen.

In Zürich bestritten Sie mit dieser Europameisterschaft Ihre erste große Meisterschaft bei den Frauen. Wo liegen den die Unterschiede zu Titelkämpfen der Altersklassen U20 oder U18?

URBANIAK: Bei den Erwachsenen geht es noch einen Tick anders zu. Es werden ganz andere Ziele formuliert, der Druck ist größer.

Viele deutsche Athleten sind bei diesen Titelkämpfen am Druck zerbrochen, Sie nicht. Sind Sie psychisch stärker oder hatten Sie einfach weniger Druck?

URBANIAK: Ich hatte an mich selbst keine hohen Erwartungen, wollte nur einen guten Wettkampf machen. Meine Maßgabe war: Ein Platz unter den ersten Acht wäre schön, klappts nicht, ists auch nicht schlimm. So ist es mir einfach gelungen, die Lockerheit zu bewahren.

Nach diesem tollen Auftritt im Letzigrund-Stadion werden künftig die Erwartungen an Sie steigen, sowohl von außen als auch von Ihnen selbst.

URBANIAK: Natürlich, es wird bei mir nie mehr die gleiche Unbefangenheit geben, mit der ich in Zürich gestartet bin. Aber ich habe jetzt gesehen, dass es mit Lockerheit viel besser klappt. Ich hoffe, ich werde mich bei künftigen Meisterschaften daran erinnern.

Zuvor steht aber erst einmal das Knacken der 18 Meter-Marke an, kann das sein?

URBANIAK: Die kommen, wann sie kommen. Das geht nicht mit Fingerschnippen, und plopp, sind sie da.

Vielleicht klappt es damit ja im letzten Sommerwettkampf, der am 29. August in Thum im Erzgebirge ansteht. Wie sehen Sie die Chancen dafür?

URBANIAK: Das wird schwer. Am Sonntag ist schon viel Anspannung von mir abgefallen. Ich war auch richtig kaputt nach dem Wettkampf. Mal abwarten, ob ich in Thum noch die Power habe. Es wäre natürlich der Hammer-Abschluss einer tollen Saison.
    
GZ / SÜDWEST AKTIV - Copyright 2014 Südwest Presse Online-Dienste GmbH - Alle Rechte vorbehalten!